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Gelungener Theaterworkshop „Almanya, Almanya! Von der Türkei nach Berlin“ im Jugend Museum (2012)

Ohje! So viele Formulare - und alle in einer fremden Sprache ...
Immer schneller soll es gehen bei der Akkordarbeit in der Keksfabrik
Erholung im Wohnheim beim Tavla-Spiel

Almanya, Almanya! Von der Türkei nach Berlin“ - unter diesem Titel stand der neue Theaterworkshop, den das Jugend Museum Schöneberg im Rahmen seines Modellprojekts „HEIMAT BERLIN. Migrationsgeschichte für Kinder“ veranstaltet hat.

Wie in den beiden vorangegangenen Theaterworkshops zur Einwanderung im 18. und 19. Jahrhundert, sollten die Kinder ein wichtiges Kapitel der Migrationsgeschichte beispielhaft im Rollenspiel erkunden. Diesmal ging es um die Arbeitsmigration aus der Türkei.

Die Projektwochen fanden im Mai und Juni statt, mitgemacht haben zwei sechste und eine siebte Klasse aus Schöneberg (Neumark-Grundschule, Grundschule am Barbarossaplatz und Gustav- Langenscheidt-Schule) und eine Klasse der Jens-Nydahl-Schule in Kreuzberg.

Nach einem Vorbereitungstag, der szenisch in das Thema einführte, tauchten die Kinder ein in den Alltag türkischer „Gastarbeiter“ im Berlin der 1970er und 1980 er Jahre. 
Für drei Tage schlüpften sie selbst in die Rollen der Einwanderer und erlebten deren Schwierigkeiten in einem fremden Land: Ärger mit der Ausländerbehörde, bedrückende Enge im überfüllten Wohnheim, eine strenge Hausordnung voller Verbote, heruntergekommene Wohnungen und Zuzugssperre für manche Bezirke, Schweinefleisch in der Kantine. Sie erlebten Ungerechtigkeit, wurden von einem rassistischen Heimleiter schikaniert, arbeiteten Akkord in einer Fabrik - und vor allem: sie verstanden anfangs kaum ein Wort,  denn die erwachsenen Mitspielenden sprachen am ersten Spieltag nur Englisch.

Im Laufe der nächsten Tage richteten sich die „Gastarbeiter“ ein. Sie engagierten sich im türkischen Kulturverein. Sie kämpften für ihre Rechte und klagten den Heimleiter Peschel wegen Beleidigung und Mietbetrug an. Es ist ein besonderer Triumph, als sie das Verfahren gewinnen. Am Ende feierten alle ein großes Fest – das Zuckerfest – mit türkischen Tänzen und türkischem Essen, das die Kinder selbst zubereitet hatten.  Alle waren eingeladen, sogar Herr Peschel.

Die Projektwochen wurden von Schülerinnen und Schülern und auch von den Lehrenden sehr positiv aufgenommen.  Die Kinder ohne Migrationshintergrund erfuhren durch den Perspektivwechsel viel  über die „anderen“. Ein Junge meinte am Abschlusstag: „Ich habe viel über ein Thema gelernt, über das ich kaum etwas wusste.“ Nachdenklich äußerte ein Mädchen: „Wenn das schon für uns so schwer ist, wie schwierig war es erst für die Menschen, die damals kamen.“ Die Kinder wiederum, deren Eltern oder Großeltern eingewandert sind, begannen - häufig zum ersten Mal - sich mit ihrer eigenen Einwanderungsgeschichte auseinanderzusetzen. Außerhalb des Spiels entstanden zahlreiche Gespräche über das Thema, in denen z.B. ein türkisches Mädchen davon erzählte, wie sie mit 9 Jahren nach Deutschland kam.

Darüber hinaus war es für viele wichtig, im Spiel Handlungsmöglichkeiten bei Konflikten auszuprobieren und die Erfahrung zu machen, dass es Gesetze gibt, die für alle gelten und dass es lohnenswert ist, sich dafür einzusetzen.

Schon zum Vorfreuen: Präsentation bei der Langen Nacht der Museen am 25. August

Bei der Langen Nacht  der Museen am 25. August werden einige der teilnehmenden Kinder ab 18.00 Uhr Ergebnisse der Projektwoche präsentieren. 
Danach heißt es: „Almanya für alle!“ - das Spielfeld wird fürs Publikum freigegeben. Wer will, kann mitmachen und vielleicht eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, in der Keksfabrik arbeiten oder im türkischen Verein Çay trinken.

Das Theaterprojekt wurde über das Quartiersmanagement Schöneberger Norden mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt unterstützt.

text: Christine Matt; fotos: Jugend Museum, Barbara Kehrer