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„Da wo ich wohne“ - Gastbeitrag von Luka Schemberger (18)

Unterschiede sind normal, und dennoch müssen wir alle lernen, diese zu akzeptieren.
"Miteinander statt gegeneinander" ist die Devise der Jugendlichen im Filmprojekt.

Auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Kiez sollen im Schöneberger Morgen eine Stimme bekommen. In dieser Ausgabe stellt Ihnen Luka Schemberger das Filmprojekt „Da wo ich wohne“ und seine Gedanken zum Thema „Miteinander Leben im Schöneberger Norden“ vor. Der Artikel stellt seine persönliche Sichtweise dar und entspricht nicht zwingend der Meinung der Redaktion.

Schöneberg - mein Kiez, seit inzwischen fast sieben Jahren. Ich kam, wie viele andere auch, zu Beginn der großen „Schwabenwelle“. Auch ich bin Schwabe, nur ohne Geld und so habe ich diese Welle so zu sagen von außen betrachtet. Und ich sag gleich vorweg: Ich mag sie nicht, diese Entwicklung, aber ich mag Schöneberg. Müsste ich Schöneberg mit einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Es ist ein Kiez voller Parallelgesellschaften. Pallas-, Goltz-, Steinmetz-, Akazienstraße. All das sind Orte, die im einzelnen so gut wie nichts miteinander zu tun haben, im großen aber, einen Teil von Schöneberg ergeben. Es gibt gut bürgerliche Familien,  Kleinkriminelle, so genannte „reiche Bonzen“ und so genannte „arme Schlucker“.
Diese Parallelgesellschaften entstehen, meiner Meinung nach, durch die unterschiedlichen Probleme, die die Menschen haben. Jeder trägt sein Päckchen. Blöd ist nur, wenn die Probleme einer Parallelgesellschaft durch die einer anderen bestimmt werden. Während die einen entscheiden müssen welche, Dachgeschosswohnung sie nun kaufen, müssen die anderen zusehen, dass sie die steigenden Mieten weiter zahlen können. Und es sind nicht nur die Mieten. Durch das höhere Kaufpotenzial der zugezogenen „Reichen“ steigen natürlich auch die Preise im alltäglichen Leben. Cafés, Veranstaltungen und Lebensmittel werden teurer, was ärmeren Parallelgesellschaften natürlich noch weitere Probleme beschert. Diese Probleme wurden für mich am deutlichsten in dem Haus, welches mich am meisten prägte. Über dieses Haus und die Thematik der Selbstverwirklichung, Kommunikation und natürlich der Liebe ist im letzten Jahr auch ein Jugendfilmprojekt entstanden: „Da wo ich wohne“.
Das Haus steht unweit vom Kleistpark. Eine zerfallene Fassade, Ofenheizung und ständig wechselnde Vermieter die es verkaufen wollen. Diese, wenn man sie so nennen will, Probleme haben alle Bewohner des Hauses und so gibt es ein gemeinsames Problem welches es zu lösen gilt. Man kommt so in einen Dialog, einen Austausch. In dem Haus wohnen fast nur Ausländer. So ist dieser Austausch nicht nur ein Versuch das gemeinsame Problem zu lösen, sondern ein interkultureller Dialog. Man lernt verschiedene Mentalitäten kennen. Das ist meiner Generation oft nicht bewusst und das ist gut so. Ich denke, den jungen Menschen muss man nicht eintrichtern tolerant zu sein und die türkische oder südländische Mentalität mal kennen zu lernen. Wir müssen nicht tolerant sein, wenn wir keinen Unterschied sehen. Die Menschen sind halt verschieden.

Ein Bosnier ist natürlich anders als ein Brasilianer, aber der Bosnier ist auch anders als die anderen Bosnier. Und ein Deutscher ist nicht genauso ausgelegt wie sein Landsmann, nur weil das so auf dem Papier steht. Alle unterscheiden sich. Ist doch normal. Deswegen führt diese ganze Toleranzdiskussion, meiner Meinung nach, eher zu einer Spaltung als zu einem Entgegen kommen. Allerdings werden aus dieser Diskussion heraus viele positive Dinge ins Leben gerufen: Projekte für Jugendliche, in denen sie künstlerisch tätig, sich entwickeln können oder einfach auch mal Spaß haben können ohne gleich das Sparschwein köpfen zu müssen. Und zum Glück gibt es in Schöneberg viele solcher Jugendprojekte, die versuchen „Kulturen zu vereinen“. Doch man muss Kulturen immer erst spalten und unterscheiden bevor man sie „vereinen“ kann.

Informationen


Unser Jugendfilmprojekt „Da wo ich wohne“ ist ein Kurzfilm zu den Themen: interkulturelle Kommunikation, Austausch und Liebe. Unsere Gruppe besteht aus 6 Mitgliedern im Alter von 18-28 Jahren. Unser Projekt wurde von dem EU-Programm „Jugend in Aktion gefördert“ und hatte am 27.10.2011 Premiere. Der 8 Minuten lange Animtaionsfilm wird in Kürze auch im Internet zu sehen sein. Auch bei Facebook ist die „EvidenzHouseCrew“ vertreten und wir freuen uns über jeden Interessierten.

text: Schemberger - SchöMo 47; grafik: Fredrick Schneider und Abner Braig