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Der Schöneberger Norden Folge 3 - Von unbezahlbarem Wert: Blick zurück auf Ehrenamt und Nachbarschaft

Selbst ist der Mann - auch im Nähkurs im Nachbarschaftstreff Steinmetzstraße.

Im Gebiet des Schöneberger Nordens gibt es viele Menschen, die sich als Lern- und Lesepaten, in der Bürgerberatung, in Qi Gong, Nähtreffs, Elterngruppen, dem Quartiersrat, in Computerwerkstätten, der Nachbarschaftshilfe und Musikensembles ehrenamtlich engagieren.

Ismail Evran zum Beispiel, ergriff vor circa 20 Jahren mit einigen seiner Kumpels und Veysal Saydan die Initiative und gründete den Treff 62 e.V. in der Katzlerstraße. „Wir waren Jugendliche und wollten von der Straße wegkommen“, sagt er. „Wenn ich heute den Jugendlichen sage, dass ich hier kein Geld verdient, sondern meine eigene Kraft hier reingesteckt habe, dann kommt das gut bei ihnen an." 

Sein Beispiel hat Schule gemacht. Heute helfen die Jugendlichen im Treff 62 e.V. selbstverständlich beim Putzen, der Pflanzenpflege oder betreuen den Fitnessraum.

Gruppenfoto mit dem Gründer des Treff 62 e.V. Veysel Saydan (2. von links).

Auch Gülsen Aktas möchte ihre Zeit des ehrenamtlichen Engagements im LOS-Begleitausschuss und im Quartiersrat nicht missen. „Ich bin dadurch hier sehr heimisch geworden und aus der gemeinsamen Arbeit sind Freundschaften entstanden“, sagt sie. „Wenn ich die Blue Elefants von der Neumark Grundschule höre oder die Baumscheiben in der Katzlerstraße sehe, dann freut es mich, dass wir im Quartiersrat diese Projekte befürwortet haben.“  

Aus dem Eltern- und Frauenfrühstück, dass sie 2004 in der Neumark Grundschule aufbaute, entstand später das Nachbarschaftszentrum in der Steinmetzstraße. So sieht die heutige Leiterin der Seniorenfreizeitstätte Huzur in der Bülowstraße noch einen anderen Vorteil: „Das Engagement stärkt die nachbarschaftlichen Beziehungen und weckt das Interesse am Kiez“, ist sie überzeugt.

Im Familientreff Kurmärkische Straße lernen auch Erwachsene mit Spaß und Erfolg.

Bei anderen kommt die Überzeugung hinzu, dass bürgerschaftliches Engagement in unserer Gesellschaft ein hohes Gut ist. "Ich möchte etwas beitragen zu dieser Gesellschaft und nicht nur privatisieren", sagt Gudrun Rein.

Seit 2,5 Jahren arbeitet sie jeden Freitag für sechs Stunden im Nachbarschaftszentrum Steinmetzstraße in der Bürgerberatung. Erfahrung brachte sie von ihrem Aufenthalt in Südafrika mit, doch ist es für sie auch ein Gewinn, viel Neues gelernt zu haben.

"Hier machen wir die Beratung von der Antragstellung auf das Bildungsprojekt, auf Schwerbehinderungen, die Pflegestufe bis hin zu Fragen bezüglich des Jobcenters", sagt sie. "Die Problematik von steigenden Mieten bis hin zur Drohung auf Zwangsräumung wird immer deutlicher. Es ist wichtig, da helfen zu können."

Immer noch aktiv dabei im Treff 62 e.V. - Veysel Saydan (2. von rechts)..

Und auch Isabel Rigol, die seit zwei Jahren im Familientreffpunkt Kurmärkische Straße beim Deutschunterricht hilft, kann eine ehrenamtliche Tätigkeit nur empfehlen. „Beim Ehrenamt geht die Bestätigung nicht über Geld, wie bei einem normalen Job, sondern über die Dankbarkeit und Antwort der Menschen, denen man etwas gibt“, sagt sie. „Da schwebt viel Freiheit mit, aber das heißt nicht, dass man bei der ersten Schwierigkeiten gleich hinschmeißt.“

Die Übersetzerin kam per Zufall zum bürgerschaftlichen Engagement, als sie in der Kiezoase in der Barbarossastraße einen Aushang im Schaufenster sah. In einem Gespräch zeigte sich, wie sie ihre Sprachkenntnisse Spanisch, Deutsch und Englisch am besten im Sprachunterricht einbringen kann.

„Die Frauen berichten Dinge, die ich sonst nicht erfahren würde“, sagt sie. „Obwohl sie sich anders kleiden, haben wir viele Gemeinsamkeiten. Manchmal muss man sich durcharbeiten, um nicht nur die Kleidung, sondern auch die Menschen darunter zu sehen.“

Wie alle anderen Institutionen im Kiez sieht auch die Leiterin des Familientreffpunktes, Jutta Husemann, noch viele weitere Möglichkeiten, Ehrenamtliche einzusetzen. „Es wäre toll, wenn zum Beispiel jedes Kind einen Lernpaten hätte“, sagt sie.

Gerne stellt sie im Austausch die Räume für ehrenamtliche Gruppen zur Verfügung. Der Chor, der dort probt, tritt dann bei Veranstaltungen auf. „Es ist immer eine Annäherung von beiden Seiten“, sagt Jutta Husemann. „Am besten funktioniert es, wenn das Geben und Nehmen im Gleichgewicht ist.“

Und so wäre der Stadtteil ohne die Ehrenamtlichen sehr viel ärmer. Und zwar nicht in finanzieller Hinsicht, sondern in Nachbarschaftlichkeit, Annerkennung und Wertschätzung. Und so überwiegt bei allen die Überzeugung, dass bürgerschaftliches Engagement sich lohnt.

text: Wosnitza; fotos: Archiv, Bahrs