Newsletter

Aktuelle Veranstaltungen

Montag, 26. September 2016 , 10:00 Uhr

Erste Hilfe für Kinder - Kurse im Nachbarschafts- und Familienzentrum an der Kurmärkischen Straße

Donnerstag, 29. September 2016 , 19:00 Uhr

Präventionsrat Schöneberger Norden - das Forum für Alle

Mittwoch, 05. Oktober 2016 , 19:00 Uhr

QuartiersRats-Sitzung

Montag, 10. Oktober 2016 , 10:00 Uhr

Fortbildung: „Grün. Sozial. Wertvoll. Natur ins urbane Quartier holen!“

„Keine Schließung der Gertrud-Kolmar-Bibliothek!“ - Resolution des Quartiersrats Schöneberger Norden vom 7. September 2011

Bibliotheken ziehen zudem Kunden an, die jünger, gebildeter und weiblicher sind als der Bevölkerungsdurchschnitt. Dies bewirkt eine soziale Aufwertung des Umfeldes.
(Zitat aus: Bibliothekskonzept Tempelhof Schöneberg. Standortentwicklung 2012-2016, Seite 39)

Keine Schließung der Gertrud-Kolmar-Bibliothek!

An die Fraktionen der in der BVV vertretenen Parteien
An die Abgeordneten für Schöneberg im Berliner Abgeordnetenhaus
An die zuständigen Stadträte in Tempelhof-Schöneberg

Der Stadtrat für Schule, Bildung und Kultur, Herr Dieter Hapel, und der Leiter der Stadtbibliothek, Herr Dr. Boese, haben am 30. August 2011 in der Theodor-Heuss-Bibliothek der Öffentlichkeit ein „Bibliothekskonzept“ für Tempelhof-Schöneberg vorgestellt.

In allen Varianten dieser Konzeption ist eine Schließung der Stadtteilbibliothek Schöneberg Nord (Gertrud-Kolmar-Bibliothek) für 2012 vorgesehen.

Der Quartiersrat beim QM Schöneberger Norden protestiert entschieden gegen Pläne, die Gertrud-Kolmar-Bibliothek zu schließen!

Herr Hapel und Herr Dr. Boese behaupten, die Besucherzahlen würden sich verdoppeln, würde die Theodor-Heuss-Bibliothek im Ex-Hertie-Kaufhaus untergebracht und die Gertrud-Kolmar- Bibliothek geschlossen werden. Belegen können sie diese Behauptung nicht. Die Kinder und Jugendlichen, die Schülerinnen und Schüler des Schöneberger Nordens werden zu dieser Verdoppelung sicherlich nicht beitragen. Herr Hapel, Herr Dr. Boese und der Investor des Hertie- Gebäudes träumen von einer ganz anderen Klientel. Die Stadteilbibliothek soll kaufkräftige Besucher einer Shopping-Mall anziehen, die Bibliothek soll, wie Herr Hapel sagte, das Gebiet um den Kaiser-Wilhelm-Platz und die Hertie-Mall aufwerten. Das ist aber nicht der Sinn einer Bibliothek.

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek, die seit über 100 Jahren existiert, ist für das Quartiersmanagementgebiet des Schöneberger Nordens ein zentraler Akteur auf dem Gebiet der Bildung und der Kinder- und Jugendarbeit. Die räumliche Nähe zu den drei Grundschulen und zu der Sophie-Scholl-Schule ermöglicht es, dass Schulklassen während der Unterrichtszeit die Bibliothek nutzen, dass Kinder und Jugendliche mit pädagogischer Begleitung an Bücher herangeführt werden.

Die Schulen, die Kitas und die Jugendeinrichtungen in unserem Gebiet nutzen die Gertrud- Kolmar-Bibliothek regelmäßig und intensiv. Insoweit ist die Gertrud-Kolmar-Bibliothek auch im Sinne der Sozialraumorientierung ein unverzichtbarer Akteur im Gebiet des Schöneberger Nordens.

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek hat eine in Berlin einmalige Ausrichtung. Sie wurde zur interkulturellen Bibliothek ausgebaut. Auch mithilfe des Programms „Soziale Stadt“ wurden umfangreich Bücher und Medien in türkischer, arabischer und russischer Sprache erworben. Ein arabisch sprechender Sozialarbeiter wurde eingestellt. Dieses Konzept hat sich vorzüglich bewährt, es ist von den Menschen im Gebiet hervorragend angenommen worden. Durch diese Maßnahme konnten die Besucherzahlen der Gertrud-Kolmar-Bibliothek verdoppelt werden!

Diese interkulturelle Bibliothek ist ein ganz wichtiger Baustein für die Integrationsarbeit in unserem Gebiet. Es ist gelungen, dass Eltern mit Migrationhintergrund der Bibliothek Vertrauen schenken und ihre Kinder eigenständig die Einrichtung besuchen lassen. Dies ist für diesen Personenkreis alles andere als selbstverständlich, es ist das Ergebnis engagierter Arbeit der Mitarbeiter/innen der Bibliothek, der Schulen, der Kitas und verschiedener Projekte in unserem QM-Gebiet.

Auch und gerade von den Familien in der Wohnanlage Pallasseum wird die Gertrud-Kolmar- Bibliothek als ein ganz wichtiges Bildungsangebot angenommen. Vor allem Sach- und Fach- und Lehrbücher in den oben erwähnten Sprachen werden stark nachgefragt. (Im Bibliothekskonzept taucht das Pallasseum als Einzugsgebiet überhaupt nicht auf, warum eigentlich nicht?  - siehe S.32 Bibliothekskonzept)

Die Bibliothek hat sich in den letzten Jahren erfreulicherweise dem Stadtteil geöffnet, sie beteiligt sich aktiv an Stadtteil-Projekten, wie etwa an den jährlich stattfindenden „Schöneworttagen“ im Pallaspark. Gemeinsam mit dem QM wurden verschiedene Projekte in Kooperation mit der Bibliothek und den Schulen und Kitas durchgeführt, wie etwa das Projekt „Leserucksäcke“. Insoweit ist die Gertrud-Kolmar-Bibliothek ein enorm wichtiges und unverzichtbares Modul der QM-Arbeit im Schöneberger Norden.

All diese positiven Entwicklungen würden vernichtet werden, würde die Gertrud-Kolmar – Bibliothek geschlossen werden. Der Schöneberger Norden verlöre eine seiner wichtigsten Bildungs- und Integrationseinrichtungen. Jahrelange Entwicklungsarbeit wäre ohne Not zerstört.
Für das Gebiet eine Katastrophe.

Denn eines ist sicher: Auf Grund der räumlichen Entfernung wäre die Nutzung einer Bibliothek im Ex-Hertie-Kaufhaus für Schulen und Kitas unseres Gebietes nicht mehr möglich. Und schon gar nicht in der Unterrichtszeit.

Auch viele Eltern würden ihren Kindern den Besuch einer Bibliothek, die in einem Shopping- Center an einem unübersichtlichen Verkehrsknotenpunkt liegt, nicht gestatten. Die Aufgabe des Standortes der Gertrud-Kolmar-Bibliothek würde mit Sicherheit dazu führen, dass der Großteil der jetzigen Nutzer/innen, und vor allem der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, das Bibliotheksangebot nicht mehr wahrnehmen würde. Es ist realitätsfern, davon auszugehen, dass 50% der bisherigen Nutzer/innen dann in die „Hertie“–Bibliothek überführbar wären. Das bestätigen alle, die in unserem Gebiet Kinder- und Jugendarbeit leisten. Insofern sind die Zahlen in dem Bibliothekskonzept unrealistisch.

Auf der anderen Seite ist es nicht einzusehen, dass ein Standort, der mit jährlichen Infrastrukturkosten von lediglich 5.648 € sehr kostengünstig arbeiten kann, eingespart werden soll. Die Behauptung, dass der Bezirk bei einer Schließung des Standortes 60.000 Euro für angemietete Ersatzräume für die Sophie-Scholl-Schule einsparen könnte, ist falsch.

Der Quartiersrat beim QM Schöneberger Norden fordert alle in der BVV vertretenen Parteien auf, sich für den Erhalt der Gertrud-Kolmar-Bibliothek einzusetzen.

Der Quartiersrat geht davon aus, dass die BVV bzw. die zuständigen Ausschüsse vor der Neukonstituierung der BVV keine Beschlüsse, die die Zukunft der Gertrud-Kolmar- Bibliothek betreffen, verabschieden werden.

Der Quartiersrat wird eine breite Diskussion über die angedrohte Schließung der Bibliothek in Schulen und Kitas mit Eltern und mit Anwohnern/Anwohnerinnen des Gebietes anregen.

Zu dieser Diskussion sind die in der BVV vertretenen Parteien herzlich eingeladen.

Die Resolution wurde vom Quartiersrat Schöneberger Norden auf der QR-Sitzung am 7. September mit 17 Ja-Stimmen und einer Enthaltung verabschiedet.

text: Resolution QR Schöneberger Norden