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Sprachmittlerinnen mit Erfolg auf dem Straßenstrich unterwegs (2008)

Sprachmittlerinnen unterstützen die Frauen vom Straßenstrich Kurfürstenstraße auf Bulgarisch, Russisch, Ungarisch und Rumänisch - nach einem ersten erfolgreichen Jahr macht das Projekt jetzt kurz Pause und startet demnächst wieder mit neuem Schwung. -

Das geplante Laufbordell und eine zunehmend aggressive Art der Prostituierten vom Kurfürsten-Straßenstrich ließen, so empfanden es viele Anwohner/innen, im zweiten Halbjahr 2007 die Stimmung rund um die Kurfürstenstraße kippen. Männer fühlten sich auf übergriffige Art angemacht, und Eltern hatten teils große Schwierigkeiten, das Geschehen auf der Straße ihren Kindern zu erklären.

Auf der anderen Seite beobachteten helfende Organisationen wie Hydra e. V., Frauentreff Olga, Treberhilfe, Fixpunkt und KUB e. V., dass viele der „neuen" Osteuropäerinnen ihre ganz eigenen Nöte hatten. Sprachbarrieren, absolut unzureichende medizinische Grundversorgung sowie großer Nachholbedarf an präventiven Techniken machten ihre Lage nicht einfacher. Eine Sprachmittlerin vom „Montagstreff" (Gesundheitsamt) in der Kurmärkischen Straße in Kooperation mit einem kurzentschlossenen Streetworkprojekt von Hydra und Quartiersmanagement bot da Abhilfe und führten zu ersten messbaren Reaktionen: Die Frauen hatten eine Ansprechpartnerin außerhalb ihrer Szene, die ihnen zuhörte, Hilfsangebote aufzählte und sie ihnen vor Ort zeigen konnte.

Nach diesen ersten guten Erfolgen unterstützte zuerst das QM Magdeburger Platz und dann das QM Schöneberger Norden jeweils ein halbes Jahr die Fortsetzung des Projekts. Unter Schirmherrschaft von Hydra e. V. und mit unterstützender Beteiligung des Frauentreffs Olga waren vom Juli 2007 bis zum Juni 2008 zwei Sprachmittlerinnen im Kiez unterwegs. Sie konnten auf Bulgarisch, Russisch, Ungarisch und Rumänisch alle neuen Frauen ansprechen und sozialarbeiterische Beratung - sei es auf der Straße oder im Frauentreff - leisten.
Schon nach den ersten Monaten meldeten viele Anwohner, dass die Situation sich etwas entschärfe; die sozialen Träger verzeichneten im Gegenzug, dass ihre Angebote immer mehr genutzt wurden. Die osteuropäischen Frauen, so Rückmeldungen, fühlten sich gesehen und ernst genommen. Sie begannen, mit den Sozialarbeiterinnen verbindlichere Termine wahrzunehmen, nutzten Angebote, ließen sich steuerrechtlich beraten und holen sich Unterstützung bei Behörden.

Günstig ist auch, dass so eine „kriminelle Szene" weniger Chancen hat sich festzusetzen: Durch Rechtsberatung (auch dort sind die Sprachmittlerinnen unersetzlich) können gewalttätige Freier und kriminelle Hintermänner rechtskräftig gestellt werden. Die Frauen bekommen bei Bedarf konkrete rechtsstaatliche Auskünfte über ihr Umfeld und lernen mögliche juristische oder polizeigestützte Gegenaktivitäten kennen.

Die Mitarbeiterinnen von Olga greifen dabei auf die erfolgreichen Erfahrungen zurück, die sie mit der guten Anbindung von polnischen und tschechischen Frauen gemacht haben: Diese leben bis heute größtenteils drogenfrei und arbeiten sicher (also mit Kondom). Auch Beratungen in Richtung „Ausstieg aus der Prostitution" und Beschäftigungsprojekte gehören zum Repertoire.

Das Sprachmittlerinnen-Projekt wird nach einer kurzen schöpferischen Pause mit erneuerter bedarfsorientierter Konzeption fortgesetzt.

text: Michaela Klose (Leiterin Frauentreff Olga) - Stand: Juli 2008